Porträt:
Schon immer war Tina Oelkers große Leidenschaft das Malen. Bereits als kleines Mädchen zog sie sich in ihre eigene Welt des Malens zurück. Auch in der Schule verfiel sie in diesen geradezu meditativen Zustand, sobald es ums Schreiben oder Zeichnen ging. Das merkten auch ihre Lehrer und förderten Tinas Talent. Mit 15 schließlich bekam sie Unterricht für moderne Malerei in ihrer Heimatstadt Hamm/Westfalen. Ein Jahr später lernte sie Federico Schiaffino kennen, einen italienischen Avantgarde-Künstler, der sie zu einem Aufenthalt bei seiner Familie in Portofino einlud. Noch heute fährt sie regelmäßig zu ihm und schätzt den Austausch mit ihm sehr. Der nächste Schritt war New York, wo Tina Mitte der 90er Jahre Malerei und Illustration studierte. Danach ging sie zur HAW, Hochschule für angewandte Wissenschaften nach Hamburg und studierte Design.
Als Teenager malte Tina abstrakt. Kubistische Bilder in Acryl auf Papier und Leinwand zeigten figurative Elemente aus der griechischen Mythologie. In ihren surrealistischen Zeichnungen tummelten sich Fabelwesen, Harlekine, Hermaphroditen und Könige. Mit Anfang Zwanzig wurde es dann kafkaesk. Sie zeichnete Käfer. Insekten in großen Formaten mit schwarzem Kugelschreiber auf Papier. Dazu Porträts, Hände und so weiter. Und abstrakte Zeichnungen aus New York. Zurück in Deutschland: Andere Kunst, andere Kultur, anderes Temperament. Ihre Darstellungsart entwickelte sich weiter über die verschiedensten Techniken. Sie malte großformatig auf Holz und machte Performance- und Theaterinszenierungen. Selbst die künstlerischen Lösungen von Tina Oelker an der HAW unterschieden sich erheblich von den anderen. Im zweiten Semester sollte sie ein Gedicht illustrieren. Tina entschied sich für ein Gedicht über ein Pfannkuchenrezept. Sie las es acht Mal hintereinander und ließ es am Ende dadaistisch werden, verdrehte Worte und so weiter. Dazu stand sie mit einer Schürze am Herd und mache Pfannkuchen, bis das Tonband mit dem Gedicht zu Ende war. "Die Kommilitonen trauten sich erst einen Pfannkuchen anzurühren, als ich sagte, „die Pfannkuchen werden kalt, greift zu!“, lacht sie. Auch außerhalb der Schule fanden erste Live-Mal- und Zeichen-Aktionen statt.
Nach dem Studium fand Tina wieder zu ihrer eigenen, ursprünglichen Thematik und ihrer eigenen Arbeitsweise zurück. Wieder fließen Elemente der griechischen Mythologie und Abstraktionen in ihre Malerei mit ein. Arbeiten aus der Antike haben Tina immer schon beeindruckt und die Bildhauerin Camille Claudel, die ein besonders tragisches Schicksal erlitt, hat sie zu triefst erschüttertet. Überhaupt ist es die ständige Auseinandersetzung mit Kunst, die Tinas Entwicklung prägt: "Viele Werke, die ich im Laufe der Zeit gesehen habe, haben meine Sichtweise immer erweitert, inspiriert oder bestätigt, manchmal auch total genervt." Inspiriert hat sie vor Allem Max Ernst, neben Federico Schiaffino auch Francesco Clemente. Und Picasso hatte ebenfalls einen gewissen Einfluss. "Als Künstler hat er natürlich einen vorbildlichen Charakter. Da geht kein Weg dran vorbei", sagt Tina. Aber so richtig liegen ihr die Vorbilder nicht: "Dazu habe ich noch viel zu viele Bilder vor mir." Und die größte Inspiration bringt eine intensive Lebensweise. Was Tina mit ihren Bildern aussagen will, weiß sie eigentlich ganz genau. Aber statt das in Worte zu fassen, lässt sie ihre Bilder selbst sprechen, unterstützt dies manchmal mit eigenen lyrischen Texten.
Tina kann von ihrer Kunst oder vielleicht besser: mit ihr – leben. Und es geht ihr gut dabei. "Mal gibt es hartes Brot, aber darauf kann man lange kauen. Mal Brötchen und manchmal Torte", lacht sie. Menschen aller Alters- und Sozialschichten kaufen ihre Bilder, denn sie bedient keine feste Zielgruppe, spricht jeden an. Sogar ein sechsjähriger hat schon ein Bild von ihr gekauft. Hamburg ist in Tinas Augen nicht gerade die Traumstadt für Künstler. Die Kunstszene ist ihr zu leise, zu schüchtern. "Hier fehlt die Leidenschaft, der Mut! Aber der Hafen und die Alster sind ein Geschenk. Und ich kann hier in Ruhe arbeiten." Tina hat erreicht, wovon viele Künstler noch träumen. Was wünscht sie sich für die Zukunft? "Kraft, Ausdauer, Inspiration und Leidenschaft für gute Bilder. Dazu liebevolle Begegnungen und Reisen, viele Ausstellungen in guten Galerien und begeisterte, interessierte Besucher, die gerne in meine Kunst investieren."
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"B-present"
Vernissage der Ausstellung "Schwimmer" in der Galerie hafen+rand
"BeckenRand"
Text: Annette Riestenpatt
Fotos: Tina Oelker, spo
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