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Portrait: Interview mit Miss Nico

Miss Nico hat tatsächlich fast nur schwarze und weisse Stifte auf ihrem Schreibtisch liegen, ein, zwei Rote finden sich noch in einer Dose. Dennoch empfindet sie ihre Zeichnungen als bunt und farbig. Es ist der Kontrast von schwarz und weiss, den sie braucht. Nur hin und wieder platziert die Künstlerin gezielt ein bisschen rot. Erst auf Karteikarten, später auch auf anderen Materialien entstehen kleine Zeichnungen.

Der Strich ist ihr wichtig. Und wirklich perfekt gelingt er ihr nur mit dem Rapidograph, einem technischen Zeichenstift. Besonders auf der glatten Oberfläche von Karton oder Kacheln vollbringt sie es, die feinen Linien zu winzigen, schrillen Gestalten zu verbinden.

Kinderzeichnungen?

Diese Kritik hört sie oft und sagt: "Warum gucken die Betrachter nicht genau hin!? Alles ist in den Zeichnungen gesagt!" Sie verarbeitet teilweise Sachen, die sie überwiegend in der Nacht erlebt hat. So spiegelt jedes Bild etwas von ihren Erlebnissen wieder. Miss Nico: "Nicht alles ist sofort erkennbar, man muss immer darin was suchen. So wird auch die Farbigkeit entstehen."

In der Arbeit geht sie auf, ist total konzentriert. Freunde kennen das und geben ihr in Schaffensphasen den Freiraum, den sie braucht. "Ich kann überall arbeiten, sofern ich meine Rapidographen und Karteikarten dabei habe!" Ob bei ihr Zuhause oder im Café, wenn es sie überkommt, lässt sie sich von niemandem stören. Hinterher, bei zusammengesteckten Köpfen, werden die Zeichnungen kritisch beäugt.

Wie sie auf die Kacheln gestoßen ist?

Miss Nico: "Die lagen vor meiner Haustür im Müllcontainer. Und nachts habe ich sie noch bemalt." Aus Holzresten, gleichfalls aus dem Container, kreierte sie die Rahmen. Schon war die Ausstellung für den nächsten Tag komplett. Sie findet immer wieder ausgediente Kacheln am Wegesrand, was jedes von ihr gefertigte Kunstwerk zu einem ganz besonderen Stück Hamburg macht.

Inzwischen gibt es auch Werke von Miss Nico auf Leinwand, natürlich in schwarz und weiss. Miss Nico: "Ich lege grad bei den großen Bildern sehr viel Wert drauf, dass die Farbe matt ist. Was diesen ganz klaren Moment schafft." Akkurat malt sie die mit Bleistift vorgezeichneten Figuren aus. Pinsel hat sie früher gemieden, weil sie befürchtete, den Strich nicht so setzen zu können, wie mit dem Zeichenstift. Doch nach einigen Versuchen hat sie den Strich so hinbekommen, dass er nicht wie gepinselt aussieht. Bewundern und kaufen kann man ihre Werke im Rubinstayn, im Karoviertel. Wie gemacht für Miss Nicos Werke ist das Restaurant, mit den dunkelroten Wänden, an denen die Bilder noch an Größe gewinnen.

Miss Nico im Größenwahn?

An der Hauswand neben dem Rubinstayn ist das vorerst gigantischste Bild von ihr zu bewundern. Ganze 12 x 6 Meter. Hier die schwarze Farbe an die weisse Wand zu bringen war ein Event, bei dem viele Helfer mit anpackten. Die Mission, die Hauswand vor Schmierereien zu schützen, ist ihr gelungen.

Seit letztem Jahr schmückt Miss Nico auch ganz edel. Dieser krasse Widerspruch zu ihren sonst einfachen Werkstoffen spukte ihr schon ewig im Kopf herum. Miss Nico: "Ich liebe ja jegliches an Material. Ich habe ja schon Teller gemacht und alles was mit Klamotten zu tun hat. Das Material zu suchen ist nicht das Problem, es muss nur richtig verarbeitet werden."

Eine Serie exklusiver Siegelringe entstand gemeinsam mit dem Juwelier Carsten Ritter. Doch ganz zufrieden ist sie nicht, denn der Strich des Graveurs ist nicht perfekt. Ihr schwebt vor, die feinen Linien auf Stahl zu lasern. Miss Nico: "Dann sind sie hundertprozentig mein!" und sie sucht dafür einen experimentierfreudigen Realisator. Um authentisch zu bleiben, möchte sie ihre schwarz/weiss Zeichnungen irgendwie einfassen. Vorstellbar wäre die Verarbeitung von roten Steinen. Interessierte melden sich bitte direkt bei Miss Nico.

An Zeit und Ideen mangelt es dem schöpferischen Geist von Miss Nico wahrlich nicht. Grenzen scheut sie nicht: New York oder Tokio, jede Großstadt wäre ihr recht. Ist doch ihr größter Traum eine ganze Kaufhausetage komplett mit von ihr selbst kreierten Dingen zu füllen. Von der Kaffeekanne bis zum Teppich, die ersten Entwürfe hat sie schon gemacht. Ein so bombastisches Projekt kann nur mit einem großzügigen Sponsor verwirklicht werden. "Wenn es einen perfekten Sponsor gäbe...!" Dann würden Träume war.... Und sie wünscht sich, dass sie auch alles leisten kann, was sie sich vorstellt. Miss Nico: "Ich mag es nicht etwas nur halbfertig zu haben!" Eine Perfektionistin durch und durch. Miss Nico: "Ja, schrecklich." Sie lacht. "Sonst könnte ich nicht so kleine Zeichnungen machen!"

Dein Hamburg, Miss Nico?

  • Mein Stadtteil ist St. Pauli.
  • Auf dem Platz zwischen Marktstraße und Ölmühle im Karo-Viertel genieße ich die Atmosphäre und lasse mich inspirieren.
  • Mein Lieblingsplatz ist vor der Tür bzw. in Türnähe, z. B. im "Living Room", da ist immer was los, da sehe ich alle, die hereinkommen. Deswegen gefällt mir der Job als Türsteherin so gut.
  • Um Energie aufzutanken mache ich Sport: Body Styling und Kondition.
  • Ein Lieblings-Museum oder -Galerie habe ich noch nicht.
  • Ich würde gerne mal in einem Kaufhaus ausstellen, auf einer ganzen Etage, z.B. bei Woolworth in der Großen Bergstraße.
  • Meine Einkaufsparadiese sind: Boesner, Großhandel für Künstlerbedarf in Glinde, Hansen Büromarkt im Schulterblatt und natürlich die Marktstraße im Karoviertel.
  • Ein ungewöhnlicher Ort in Hamburg fällt mir nicht ein.
  • Meine freie Zeit verbringe ich am liebsten Zuhause.

Termine und Adressen:

Ausstellung: Beim Friseur am Grindel.


Schmuck: Juwelier Carsten Ritter.


Große Bilder: Café Restaurant Rubinstayn, Ölmühle 30


Wandbild: neben dem Rubinstayn


Internet: www.missnico.de