Portrait:
Mit ihrer zierlichen Statur und den langen braunen Haaren sieht Kirian Scheuplein selbst ein bisschen aus wie eine Elfe. Kein Wunder also, dass sie ihre Firma Creatmosfairy genannt hat. Denn das Reich der Märchen und Fabeln hat es der Kamerafrau angetan. 1970 in Hanau geboren, studierte sie zunächst Industriedesign und Mathematik in Darmstadt, bevor sie dann zum Kommunikationsdesign-Studium nach Wiesbaden wechselte. Anfang der 90er zog es sie nach Hamburg: „Ich wollte freier studieren und Hamburg war für mich die schönste Stadt“, sagt Kirian über ihren Entschluss, den sie bis heute nicht bereut, denn „Hamburg ist in einfach die schönste Stadt. Entspannter und gemütlicher als Berlin." Während des Studiums machte Kirian Ausstattung und Dekotation für Technoparties. Ein Jahr lang jobbte sie für Londoner Clubs und pendelte zwischen der britischen Hauptstadt und Hamburg hin und her.
Schon als Kind zog Kirian Lego oder Playmobil den Puppen vor. Sie baute motorbetriebene Karusselle oder etwas, das sich bewegte oder zu etwas nützlich war. Ihrer Vorliebe, alles auseinander zu schrauben, um es dann wieder zusammen zu setzen, fiel dann auch der elterliche Fernseher zum Opfer, den sie aufschraubte als er nicht mehr ging, weil sie nachschauen wollte, was kaputt sei. "Da waren ein paar Kabel lose und ich hab sie wieder zusammen gelötet. Leider ist er dann implodiert." Technik auf der einen Seite, Märchen und Fabelwesen auf der anderen. Wie geht das zusammen? "Das passt gut", findet Kirian. "Denn Sachen sind sympathischer, wenn sie sich gut bedienen lassen und gut aussehen." Gutes Design muss ihrer Meinung nach sein und das fördert den Spieltrieb. "Ich möchte etwas Ganzheitliches schaffen, etwas Neues. Die Welt muss nicht kalt und technisch funktionieren, sie kann doch dabei auch verspielt und märchenhaft gestaltet sein. Alles funktioniert und man kann dabei noch träumen. Der Alltag ist doch manchmal schon stupide genug."
„Manche Leute sagen, bei mir sei immer alles grün“, wundert sich Kirian. „Dabei habe ich durchaus auch ein Faible für andere Farben.“ Das mag stimmen, aber der „Grünstich“ in ihrer Arbeit ist schon ziemlich offensichtlich. Für Kirian ist Grün die Farbe des Lebens, weil sie so intensiv ist und es so „unglaublich viele Grüntöne“ gibt. Gedekte Farben oder einfarbige Szenarien findet man in Kirians Filmen daher nicht. Für Kirian sind Farben insgesamt eine spannende Angelegenheit, weil sie die Stimmung eines Menschen beeinflussen können: „Man steht morgens auf und es geht nur eine Farbe.“ Ähnlich intuitiv, wie Farben sieht Kirian ihre gesamte Arbeit. „Ich spiele gerne rum. Ich mag es, wenn es sich entwickelt und nicht alles minutiös durchgeplant ist.“ Selbst bei Dokumentationen bevorzugt Kirian organisches Arbeiten und einen verspielten Ansatz.
Kirian hat mit Illustrationen angefangen. „Doch dann wollte ich bewegte Bilder machen. Denn damit kann man viel mehr erzählen, nicht nur Momente einfangen.“ In der Uni war das jedoch schwer zu erlernen. Also musste sie es sich selbst beibringen. Kirian kaufte sich einen Kamera und einen Computer und probierte und probierte. Solange, bis sie es drauf hatte. Bereits während des Studiums machte sie sich selbstständig und gründete ihre Produktionsfirma Creatmosfairy. Es dauerte nicht lange und die ersten großen Aufträge kamen rein. Sie filmte für Saatchi & Saatchi oder Wella, machte Industrie- und Imagefilme, drehte Musikvideos und auch eigene kleine Produktionen. In ihrem Studio in Altona, das sie mit anderen Künstlern teilt, kann sie Foto-, Video- und Trickaufnahmen machen. Dort spielt sie neben der Arbeit auch noch ein bisschen mit eigenen Ideen herum. So entstand auch ihr erster Puppen-Film "GENTECH". Einer Frankenstein-Geschichte, in der ein Genforscher versucht, sich ein weibliches Traumwesen zu erschaffen. Eine Potsdamer Firma interessierte sich dafür. „Aber das war mein Baby“, sagt Kirian, „Das konnte ich nicht verkaufen.“
Eigentlich wollte Kirian Videokunst machen. Doch dann wurde daraus schnell ein Beruf und für die Kunst blieb in den letzten Jahren viel zu wenig Zeit. Das ändert sich jedoch gerade. „Ich möchte in Zukunft, wieder mehr künstlerisch zu arbeiten. Da gibt es ganz andere Möglichkeiten und man kann viel mehr Experimente machen.“ Zur Zeit konzipiert sie gerade eine Ausstellung, bei der bewegte Bilder auf 3D-Objekte projiziert werden, um damit einen veränderten Blick auf die Dinge zu schaffen. Die andere Perspektive ist das, was Kirian reizt. Das ist es auch, was sie an Märchen und Traumwelten so spannend findet, denn „dann kann man auch selbst in andere Rollen schlüpfen und einen veränderten Blick auf die Realität erleben.“ Gefahr, sich selbst dabei aus dem Blick zu verlieren, läuft Kirian ganz bestimmt nicht, denn dafür ist sie eben auch märchenhaft technik-verliebt.
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Text: Annette Riestenpatt
Fotos: Kirian Scheuplein
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