Zwischen Karoviertel und Schanze liegt der Schlachthof. Zahlreiche gastronomische Versuche scheiterten bereits, irgendwie wollte keiner der Läden sich so wirklich halten. Doch nun scheinen die Räumlichkeiten im gläsernen Durchgang endlich ihre Bestimmung gefunden haben. Seit September 2003 betreiben Maia und Paul nämlich hier ihre eigene Töpferei mit dem ungewöhnlichen Namen Elephantine.
Wer jetzt allerdings an überteuertes Kunsthandwerk, tönerne Entchen oder verschnörkelten Schrankwand-Kitsch, denkt, ist schief gewickelt. Denn von Anfang an stand für die beiden fest, dass sie das Handwerk und die Funktionalität ihrer Keramik in den Vordergrund stellen. Der kunsthandwerkliche Ansatz vieler Kollegen hat Maia Lenz schon immer genervt: "Diese Sachen sind meist hoffnungslos überteuert und haben keinerlei Gebrauchswert." klagt sie. Also hat sie sich hingesetzt und Dinge entworfen, die in erster Linie funktional sind. Den Kunden gefällt es scheinbar. Sogar nach Tokio und Honolulu haben die Elephantines schon ihre Keramik verkauft. Paul, 35 ist für das Marketing zuständig. Die Woche über tingelt er über Kunsthandwerker- und Wochenmärkte..
Überhaupt ist bei Elephantine alles auf die Wünsche der Kunden ausgerichtet: "Wir verstehen uns in erster Linie als Dienstleister." sagt Maia. Ihr ist es egal, wenn andere Töpfer über ihre Preise lachen. "Die Keramik in unserem Laden hat viel mit mir zu tun, aber ich muss mich trotzdem nicht über diese Sachen definieren. Es sind in erster Linie Gebrauchsgegenstände." Eine Müslischale oder eine Kindertasse kostet erschwingliche 9.90 Euro, das teuerste Objekt ist eine kunstvoll bemalte Kugel für 60 Euro. Für Sonderanfertigungen, wenn sie nicht allzu ausgefallen sind, müssen die Kunden lediglich 1 Euro Aufschlag pro Stück berappen.
Interessierte können den Produktions- prozess in den gläsernen Räumen mitverfolgen. Sie können vom ersten Schritt der Anfertigung zusehen und Fragen stellen und eigene Ideen einbringen. "Das schafft Vertrauen und Verständnis", freut sich Maia, die das zurückgezogene Arbeiten vieler Kollegen nicht mag. In Planung sind Kurse und Seminare, Interessierte können schon jetzt im Laden ihre Stücke nach eigenen Vorstellungen bemalen. Auch der Ofen kann unter fachkundiger Anleitung genutzt werden. Unterstützt werden Maia und Paul von Praktikantin Jaqueline und Freund Steffen, der Maia beim "Drehen" zur Seite steht. Am Wochenende kommt noch Katja hinzu, die das Kindergeschirr mit bunten Motiven bemalt.
Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, bereuen Maia und Paul nicht. Langsam aber sicher brummt der Laden und Maia freut sich: "Dieser Versuch hätte ja auch schief gehen können." Aber der Erfolg gibt ihnen Recht. Und dann hat sie auch schon wieder keine Zeit mehr, denn die Kunden brauchen Nachschub und sie muss wieder an die Arbeit.