Porträt:
Mit bürgerlichem Namen hört der smarte Endzwanziger auf den Namen Mike Lonski. Vor vielen Jahren war er mal Pfadfinder. Und weil alle kleinen Jungs aus seinem Stamm damals nach einer Figur aus dem "Herrn der Ringe" benannt wurden und Mike zwar nicht klein, aber ziemlich moppelig war, wurde er eben nach dem dicksten aller Zwerge "Bombur" benannt. Der Name hielt sich und wandelte sich im Laufe der Zeit zu Bomsh. Seine musikalische Karriere begann er als Gitarrist der Live-Hip Hop Formation "Wolke 7". Doch schon bald stellte er die Gitarre in die Ecke und begann, selbst Texte zu schreiben. Mitte der Neunzigerjahre machte er mit DJ Rockateer als "Cryptonite Flava" die Drum'n'Bass-Szene unsicher. "Mein Style wurde nach und nach immer mehr ragga-lastig, da ich schon immer ein großes Herz für Jungle hatte. Für mich passte dieser Style einfach besser zu D´n´B als der typische England-MC Style", sagt Bomsh, dem die deutsche Sprache ohnehin von Anfang an mehr lag. Aus dieser Konstellation entstand das Projekt "Da Kee", den selbst kreierten Style nannten sie Raggabreaks, bestehend aus einer wilden Mischung aus Dancehall- und Breakbeats.
Obwohl Bomsh noch immer ein recht gefragter D'n'B MC war, verlagerte er seine Aktivitäten mehr und mehr in Richtung Dancehall. Schließlich ging er nach Berlin, um seine Solokarriere in Angriff zu nehmen. Unterstützt wurde er dabei von DJ Grandmoflash, der eigentlich auch aus dem D'n'B stammte. Bis Ende 2004 waren sie als Mistah Bomsh & Grandmoflash auf vielen Dances unterwegs. "Wir wollten Dancehall machen. Und wir wollten mehr davon, wir wollten auch die großen Bühnen dieser Welt beschallen", erklärt Bomsh. Das allerdings gestaltete sich zunächst als schwierig. "Einen MC und einen DJ lässt man in Dancehall-Kreisen selten auf große Bühnen." Daher suchte man sich für die Summer-Bash-Tour 2004 als Verstärkung einen Live-Bassisten. Dennoch nahmen die meisten Veranstalter Mistah Bomsh, Grandmoflash und Beatpete nicht wirklich als Liveact wahr, diese Besetzung passte irgendwie in keine Schublade. Der Liebe wegen kehrte Bomsh in seine Heimatstadt Hamburg zurück und beschloss, sich Musiker für eine eigene Band zu suchen. Er wurde fündig und so entstand im Herbst 2004 die Seagullsoundstation, an den Drums Lars Hellberg, am Bass Tim Grunwald, an den Pecussions Basti Wagner und an den Turntables nach wie vor Grandmoflash. "Das sind unglaublich gute Musiker", schwärmt Bomsh von seinen Jungs. Er beschreibt sich selbst als "Rudeltier", der sich gern mit seinen kreativen Mitstreitern austauscht. Eine Performance ohne Band kann er sich gar nicht mehr vorstellen. "Es ist einfach was anderes, wenn man Höhen und Tiefen zusammen durchlebt. Außerdem hat das Ganze viel mehr Druck und eine ganz andere Wirkung auf das Publikum."
Letztendlich ist die Arbeit mit der Band genau das, wonach Bomsh die ganze Zeit gesucht hatte. "Mit einer Band im Rücken fühlt man sich wie in Abrahams Schoß", lacht er. "Da hat man das Gefühl, uns kann keiner mehr stoppen!" Und tatsächlich begeistert die Seagullsoundstation mit schöner Regelmäßigkeit ein immer größer werdendes Publikum. Denn bei den Auftritten steht der Spaß eindeutig im Vordergrund. Er sieht sich weniger als Aufrüttler und Erklärer und singt lieber über Sachen, die ihn persönlich bewegen. Es geht um Liebe, Sozialkritik und Lebensphilosophien, gewürzt mit einer sehr eigenen Note. "Auch, wenn es um traurige oder negative Dinge geht, versuche ich, das Positive und Humorvolle damit zu vermitteln." Das Mistah Bomsh Dancehall macht bedeutet nicht, das er auch automatisch Texte singt, die in diesem Genre üblich sind, er will zwar den Dancehall-Vibe spüren, aber nicht die jamaikanische Attitude kopieren. "Jeder sollte das sagen, was aus seinem Herzen kommt und nicht anderen nach dem Mund reden." Respekt anderen Meinungen und Empfindungen gegenüber ist für ihn dabei auch selbstverständlich. Die Eigenständigkeit und die Machart von z.B. Seeed haben Bomsh inspiriert und sehr beeindruckt. Für die Zukunft wünscht er sich, dass "der Halm, den ich gegriffen habe, dieses Mal endlich wächst und gedeiht und große Früchte trägt." Sonst wünscht er sich nicht viel, gesund möchte er blieben und mit seiner Liebsten so glücklich bleiben, wie er ist. "Alles andere ist vergänglich."
Reggae-Sounds, die aus dem Reagenzglas kommen und nur zu kommerziellen Zwecken zusammen- geschustert wurden, lehnt Mistah Bomsh ab.
"Das kann keiner brauchen", sagt Bomsh. "Meine Musik ist für alle Menschen, die ihre Positivität und ihren Humor nicht verloren haben. Die noch wissen, wie man miteinander umgeht und wie man liebt. Und vielleicht kann ich es denen, die es nicht mehr haben, wieder zurückbringen".
Aktuelle Veröffentlichung auf dem Sampler: Statements outta Babylon II
Text: Annette Riestenpatt
Fotos: Mistah Bomsh
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