Shrineart, so nennen Josef Greiner und Iris Bettermann ihr Kunstprojekt und das steht auch groß über dem Eingang zu ihrem Magischen Möbelhaus. Denn um möbelähnliche Gebilde handelt es sich bei ihren Kunstwerken. Diese Moebelskulpturen enstehen zuerst nur im Kopf von Josef Greiner. Bis es ihm dann möglich ist seine Idee zu verwirklichen, vergeht meistens eine ganze Weile, denn das Material muß sich zuerst finden lassen. Alles muß zu dem geplanten Objekt passen oder passend gemacht werden.So entstand die Borgliege, eine sciencefiction Liege, benannt nach den Außerirdischen.
Ihre Spezialität sollte sein, einen Ort der Ruhe zu geben und trotzdem das fließende der Bewegung in sich zu tragen. In dynamischer Form erhebt sich das Kopfteil aus einem absonderlich geformten runden Stück Treibholz, gefunden an der Ostsee. Die dreieckige Liegefläche ist geflochten aus in Streifen geschnittenen LKWschläuchen, an ihr entlang zieht sich ein bewegliches weißes Band aus geschliffenen und polierten Austernschalen und mündet spielerisch in zwei ledernen Knobelbechern.
Der Camelschrein ist ein typisches Beispiel um zu demonstrieren was Josef Greiner meint wenn er sagt er baut eine neue Generation von Bewahrmöbeln.
Wie auf einem spiegelnden allerdings schwarzem Teich schwimmen die beiden Enten am oberen Teil dieses hängenden Aufbewahrungsortes für Besonderheiten. Denn das soll es sein, ein Ort für ganz persönliche Kostbarkeiten.
Die beiden Dromedare stehen ganz friedlich rechts und links auf den kleinen Säulen, die den Schrein hinunter laufen bis sie in Tropfen ähnlicher Form einen Abschluß bilden.
Deutsche Redlichkeit und orientalische Verträumtheit verbinden sich hier und machen es spannend - was mag sich wohl hinter der bauchigen Tür verbergen.
Ein Hochzeitschrein, bei dem sich drei Schränke zum Symbol für ewige Liebe vereinen.
Auf einem soliden Sockel bestehend aus Objekthaltern in denen früher Ferngläser weit in den nächtlichen Sternenhimmel blicken ließen, erhebt sich jetzt der viereckige geräumige Korpus der bei geöffneten Türen das Kreuzsymbol erkennen läßt.
Rohlinge von Wasserwaagen und das innerste der Zeit schmücken ihn. Die Pagodenform in der sich der obere Kranz erhebt und die rote Farbe geben dem Hochzeitschrein seinen japanischen Einschlag.
Woher der Giraffensitz seinen Namen hat ist offensichtlich. Hier arbeitet Josef Greiner mit seinem Lieblingsmaterial, Massivholz in seiner ursprünglichsten Form.
Von Hand mit einem Keil gespalten wurde dieser Buchenstamm außen mit dem Hohlbeitel solange bearbeitet bis die jetzt schwarzgefärbten Flecken denen einer Giraffe gleichen.
Die Sitzfläche hält die beiden noch genau aufeinander passenden Holzstücke gerade soweit auseinander das man bequem darauf sitzen kann, geborgen wie in starken Armen.
Ein weiteres Werk aus der naturbelassenen Serie ist der Predigerstuhl. Das Kreuz in der Lehne fertigte die Natur, der Rest entstand in mühevoller Handarbeit.
Das Spaltholz wurde gesäubert, angepaßt und aneinander geleimt, es entstand ein Stuhl für die Ewigkeit der wie geschaffen ist für Gedanken, die eben diese betreffen.
Nur großgewachsene Menschen erreichen mit ihren Füßen noch den Boden wenn sie darauf Platz nehmen.
Dieses Spiel mit den Dimensionen ist ebenfalls ein wichtiger Punkt mit dem Josef Greiner in allen seinen Kunstobjekten variiert.
Den normalen Standort verändern, so schafft man sich eine neue Sichtweise. Am Besten einfach mal ausprobie ren und dazu eignet sich hervorragend der wie aus der Erde emporstrebende Sekretär Hastings. Hier können sich Erwachsene noch einmal so fühlen wie damals als sie vor dem Privatheiligtum ihrer Eltern standen und sich überlegten wie sie an die begehrenswerten Briefe, Fotos, Stifte und Stempel kommen sollten, denn noch war man einfach zu Klein. Hastings der blaßblaue Erinnerungen an das Meer wachruft, bekam seinen Namen, durch das alte englische Türschloß das Josef Greiner bei einer sei ner Studienreisen in England am Strand fand. Dieses verschließt jetzt die wuchtige schräg eingelassene Tür die mit silbernen Schalen verziert ist. Wenn man die Schublade darunter aufzieht, kann man kontrollieren ob man zwei gleiche Schuhe an hat, denn ihr Boden ist durchsichtig. Zielsicher im Schwarzen steht alles was man im oberen verglasten Teil des Sekretärs unterbringt, der etwas verträumt auf zwei hölzernen Füßen, ehemals Schuhspanner, ruht.
Mexikoring 15
22297 Hamburg
Mit Schuhen hat der Walschrein nun überhaupt nichts zu tun. Allein die sanfte blaue Farbgebung von Hastings spiegelt sich in ihm wieder, was daran liegt das auch beim Walschrein, wie der Name schon vermuten läßt eine Beziehung zu dem Element Wasser besteht. Tatsächlich wurden die beiden bauchigen, leicht gerundeten Türen rechts und links aus dem Holz eines fahruntüchtigen Faltkajaks gefertigt. Und mit etwas Phantasie kann man in den unteren, diese Türen abschließenden Holzstücken, die beiden Walkinder erkennen, die dieses Faltkajak auf hoher See vielleicht traf. Sie stoßen mit ihren Köpfen fast an den kantigen, irdischen Teil dieses Schreins, der umrahmt von den beiden Türen zuunterst von dem eisernen Gespann einer Kutsche gezogen wird. Darüber befinden sich zwei mit gläsernen Fronten versehene kleine Schubladen.
Der Mittelpunkt dieses Schreins ein aus alten Vriesen gefertigtes Kreuz, das vier fast quadratische Scheiben trägt, die einen Blick in das Innerste ermöglichen. Die beiden asymetrischen Schubladen darüber, bekamen als Griffe die eisernen Auftritte der Kutsche und so verbindet sich oben und unten, unterstützt durch die beiden rechts und links emporstrebenden, gedrechselten Säulen.
Ganz frisch noch, ein italienisch benanntes Werk, bestehenden aus zwei fast identischen Objekten. Tres Colonne Quadro Statione ist entstanden aus der Ganzheit eines Tisches, dessen einzelne Teile in völlig neue Zusammenhänge gebracht wurden. Zuerst wurde der Tisch genau in der Mitte der Länge nach durchgesägt, daraus erklärt sich in diesem Fall die Duplizität. Die Tischbeine die ehemals die Platte trugen übernehmen auch bei Josef Greiners Quadro Statione wieder diese Funktion allerdings um 180 Grad gedreht. Die Konstruktion zwischen den beiden Beinen wurde zu einem kleinen Kasten umgebaut, der auf runden Füßen steht, zwei der vier Stationen (Quadro Statione) die im Namen des Stückes genannt werden. Die anderen beiden Stationen bestehen aus drei verschiedenen Stücken Holz. Buche rot, Eiche blau und Ulme gelb gefärbt, symbolisieren sie die Tres Colonne, die drei Säulen die den schmalen Korpus tragen. Unter der halbierten Tischplatte oben, verbergen sich einmal mehr, jeweils zwei Kästen für Kostbarkeiten. Tres Colonne Quadro Statione zwei fast identische Unikate, ein Partnerschrein, denn Jedem das Seine.
Das nötige Ambiente für diese Schreine oder umgekehrt findet sich in den Bildern von Iris Bettermann. Manchmal Fragen sich die Beiden, was war zuerst da, das Bild oder der Schrein. Sehr harmonisch jedenfalls passen sie zusammen, wie das in Öl auf Holz gemalte Bild der Sehenden das auf dem Quadro Statione steht, zeigt.