Unternehmerische Kulturförderung wagt den Sprung über die Elbe.
Drei Monate lang hatten sich Hamburger Künstler aller Genres in einer alten Fabrikhalle in Veddel – Peute getroffen und neue Kunstwerke erschaffen – ermöglicht wurde diese Plattform von der Zigarettenmarke Camel. "Das Prinzip dieser langfristigen und nachhaltigen Kulturförderung ist es, Netzwerke aufzubauen und den kreativen Zusammenhalt zu stärken," beschreibt Jens Hermes – Marketingmanager bei JTI (Camel) - das Prinzip, das bereits im Ruhrgebiet, in Berlin und in Hamburg seit 2002 praktiziert wird. Neu dazu kommt jetzt ganz frisch Frankfurt am Main. Die Events der letzten Jahre waren allerdings eher einmalige kurzzeitige Veranstaltungen, so zum Beispiel eine Lesetour der Günter Grasses auf einem Boot durch die Städte Hamburg, Essen und Berlin.
Ein so langfristiger Einsatz, wie ihn die Blue Box Peute allen Beteiligten abverlangte, war bisher einmalig. Über 80 Künstler wirkten im Ganzen bei dem Event mit. Neben den bildenden Künstlern, die am Samstag, den 16. April 2005 ihre Werke ausstellten, gab es auch ein üppiges Bühnen und Showprogramm von darstellenden Künstlern. Nachts endete das ganze dann in einer großen Party. So zeigte zum Beispiel die Gruppe Batang, was Percussion bedeutet und die Tanzperformance von Angela Guerreiro und ihrer Choreographie "Liquid Skys" zog das Publikum in seinen Bann. Die Kiosk.Company ist übrigens quasi ein Kind der Blue Box Peute, das Konzept entstand während dieses Projekts.
Schade, dass die bildenden Künstler mit ihren Werken unter dem aktiven und agilen Bühnenprogramm geradezu untergingen. So hatte beispielsweise die Installation "Der Sprung über die Elbe" von Arne Lösekann zu wenig Platz. Und die Installation "Landschaften im Raum" von Markus Müller wurde durch den Ansturm der Abendgäste geradezu plattgetreten.
Viele der Künstler sahen demnach zwar die Aktion als wichtige Bereicherung des Kulturlebens von Hamburg, würden aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht noch einmal partizipieren.
Die Zigarettenmarke stellte bei dem ganzen Spektakel Materialkosten der Künstler, die Halle und die Organisation des finalen Präsentationsevents. 4.000 Einladungen wurden verschickt, ca. 1.800 Besucher wagten dann tatsächlich den Sprung über die Elbe in das Gewerbegebiet Peute. Alles in allem ein hervorragendes Konzept mit dringendem Optimierungsbedarf in der Verquickung zwischen Trend Party, künstlerischen Netzwerken und Kulturevent.
Antje Sauer stellte mit "Ausblicke.neu" eine optische Verbindung zwischen Centrum und Veddel/ Peute her. Ebenfalls vermischte Sie beim Blick durch die Fenster Folien von Landschaftsdetails mit der urbanen Struktur.
Die Günter Grasses mit Gastleser Sven Heine.
Wie eine Band ohne Musik lesen die Günter Grasses unter einem Titel drei Geschichten auf der Bühne.
Bei Wortklang liest Andreas Melchner eigene Gedichte zu der Klavier- begleitung von Wolfgang Rüter.
Landschaften im Raum von Markus Müller. 5 feststehende/ mobile Ebenen die eingrenzen, teilen, gliedern und ausfüllen, sprengen... Die Elemente werden durch Geräusche und Projektion überlagert.
Nur 30% der Künstler können sich eine erneute Teilnahme unter den gleichen Rahmenbedingugen vorstellen.
Text: Dr. Gesa Birnkraut
Fotos: spo
© kulturportal-hh.de 2005